Kinder und Klangschalen, Anleitung und praktische Beispiele für Kindergarten, Kitas, Schulen, Hort und therapeutische Einrichtungen (…)

Schulung der Aufmerksamkeit/Wahrnehmung von Kindern:

  1. Klangschalen im Kindergarten Für das hyperaktive Kind, das durch seine innere Unruhe die von außen erzeugten Reize nicht ordnen und verarbeiten kann, sind Regeln und Rituale im Alltag lebenswichtig. Neben dem Jahresablauf (wiederkehrende Feste, Jahreszeiten etc.) und dem Wochenablauf (Gewohnheitsrhythmus) ist der Tagesablauf die allerwichtigste Orientierungshilfe, da das Kind die Zeit noch als sehr kurzen Intervall wahrnimmt. (Vgl. Schweizer/Prekop) Geregelte Zeiten und die erkennbare Gliederung der Tagesstruktur sind für ein ADHS Kind wichtige therapeutische Unterstützung. In Einrichtungen oder in Familien bieten Klangschalen hier einen wesentlichen Beitrag: Der Klang bindet die Aufmerksamkeit der Kinder an bestimmte Aktivitäten oder Handlungen. Der Beginn der Ruhe-/Schlafenszeit, das Rufen zu den Mahlzeiten, Ende der Spielzeit u.v.m. kann mit Hilfe von unterschiedlichen Klängen angezeigt werden. Mit Freude und Geduld lernt das unruhige Kind einfache Regeln einzuhalten, seine Aufmerksamkeit wird kanalisiert und geordnet.
  2. Kinder und Klangschalen Mit dem Anschlagen einer Klangschale kann Aufmerksamkeit erzeugt werden. Ein kurzes Innehalten (die Kinder sollten die Augen geschlossen halten) in der Kleingruppe oder in der Einzelarbeit erzeugt Momente, in denen das Kind dem Klang intensiv zuhört, dem verklingenden Ton nachlauscht oder evtl. versucht, dessen Quelle herauszufinden. Auch die unterschiedliche Intensität und/oder Höhe der Töne kann wahrgenommen werden und erfordert Ruhe und aktives Zuhören. Im Anschluss an das Gehörte können bei relativ guter Ausdauer die Klänge oder die Bilder, die dabei entstanden sind, gemalt oder in körperliche Bewegung umgewandelt werden (Beispiel A). Die Kinder können hier untereinander in Beziehung treten und erleben sich in ihrer Gruppe als Gemeinschaft. Sie verleihen so ihrer Erlebnisfähigkeit Ausdruck und werden zu kreativem Denken angeregt.
  3. Kinder erleben Klangschalen Indem das Kind zur inneren Ruhe findet, ist es eher bereit sich auf feinere Wahrnehmungen über das Gehör und die Schwingungen über den Körper einzulassen. Insbesondere bei hyperkinetischen (Hyperkinese = übermäßiger Drang zur Bewegung) Kindern reagiert das taktile System überempfindlich. Die Kinder können die Schwingungen der Klangschalen wesentlich intensiver wahrnehmen. Die Klangschale kann auf den Handteller gestellt werden, das Kind kann sich selbst in eine Klangschale stellen, im Liegen kann die Klangschale auf verschiedenen Körperbereichen angeschlagen werden. Die Aufmerksamkeit wird dabei auf einzelne Stellen der eigenen Körpers gerichtet, um ganz bewusst wahrzunehmen, wie die Schwingungen sich ausbreiten, fließen und abklingen. Die Kinder lernen so zu entspannen, das Atmen ruhig geschehen zu lassen, unbeeinflusst von dem, was um sie herum geschieht. (Beispiel B)
  4. Auf die Arbeit mit Klangschalen wirken gezielte Stille- und Entspannungsübungen unterstützend. Gegenseitige Massagen mit Hilfe der Klangschalen regen die Bewusstheit der eigenen Bedürfnisse, sowie den Blick auf den anderen an. Die Kinder erfahren über diese Art der Kommunikation miteinander einen sensiblen, einfühlsamen Umgang.
  5. Wichtig ist, alle Übungen regelmäßig und mehrmals durchzuführen, bestenfalls zu bestimmten Zeiten, am selben Ort und mit derselben Bezugsperson. Allein fürs Mitmachen (nicht fürs Bessermachen) erhält das Kind Lob. Ein Gegenpol zur meist leistungsorientierten Umgebung. So wird dem Kind zusätzlich Sicherheit vermittelt, Ängste und Desorientierung werden abgebaut. Der Weg zu einem gesunden Selbstwertgefühl wird ermöglicht.
  • Beispiel A:
    Ein Klang verklingt
    Alter: 3-4 Jahre
    Die Kinder sitzen im Kreis und schließen die Augen. Die Klangschale wird angeschlagen. Die Kinder hören aufmerksam auf den Klang. Wenn sie glauben, dass der Klang vollkommen verklungen ist, heben sie einen Arm. Anschließend können sie auf ausgebreiteten Tapetenrollen, vorzugsweise mit Wachsmalfarben, ihr "Klangerlebnis" oder ihre inneren Bilder aufmalen. Die Kinder sollen warten, bis alle fertig sind. Anschließend wird nicht analysiert oder gewertet. Alles geschieht freiwillig. Dieses Angebot wird auch von unruhigen Kindern gerne angenommen.
  • Klangschale, das Mysterium Beispiel B:
    Alter: ab 3 Jahre
    Dauer 3-5 min pro Kind
    Kind steht in der Klangschale:
    Bestenfalls haben diese Klangschalen einen Durchmesser von 45 bis 50 cm. Während das Kind in der Klangschale steht, wird diese zunächst leicht, danach etwas fester angeschlagen. Auch das Reiben der Schale mit einem Klöppel oder mit der Hand ist möglich. Die Klangschwingungen durchfließen den ganzen Körper - über die Füße in die Beine durch Kopf heraus. Der ganze Körper wird neu wahrgenommen und mit frischer Energie versorgt.

Anschließend sollen die Kinder mitteilen, was und wie sie erlebt haben. Diese Spiele finden nicht nur Anwendung in Kindergärten und Schulen. Die Art von Behandlung hat sich auch bereits in den Praxen von Heilpädagoginnen, Ergotherapeutinnen und Physiotherapeutinnen mit dem Ziel die Wahrnehmungsfähigkeit zu fördern, bewährt.



Allgemeine Rahmenbedingungen zu Stille- und Entspannungsübungen:

Wichtig ist, dass die Kinder Platz für Ruhe und Bewegung einnehmen können. Eine Gruppengröße von 8 Kindern sollte nicht überschritten werden, um unerwünschte Unruhe. Die Teilnahme der Kinder soll freiwillig sein, die Atmosphäre vertrauensvoll. Deshalb ist es wichtig, die Entscheidung der Kinder für oder gegen das Angebot zu respektieren. Äußert sich ein Kind zunächst ablehnend, darf es später aber gerne mit einbezogen werden, wenn es dazu bereit ist. Gerade aggressiven Kindern wird so die Chance eingeräumt mehr Bewusstheit und positive Gruppenerfahrungen zu erfahren.

  • Vorbereitungen: Die Kinder sollten bequeme Kleidung tragen und die Schuhe ausziehen. Vorher noch mal auf Toilette gehen !
  • Räumliche Voraussetzungen: Ziel dieser pädagogischen Klangarbeit sollte sein, den Konsum von Reizen zu reduzieren. Der Raum sollte deshalb frei von Störungen sein und möglichst wenig bieten, das ablenkt. Bestenfalls ist der Raum den Kindern bereits bekannt. Eine freundliche, besinnliche Atmosphäre ist sinnvoll, lediglich der Mittelpunkt (Klangschale, Duftöllampe …) soll die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Ist ein Kind gehemmt die Augen zu schließen, so sind seine Blicke an einen festen Punkt gebunden. Der Raum darf etwas abgedunkelt sein (nicht zu dunkel, das macht Angst), wichtig ist auch eine gute Raumtemperatur. Jedes Kind sollte ein eigenes Kissen und Matte zu Verfügung haben. Bei Klangmassagen hat das "massierte" Kind die Möglichkeit aus der Übung auszusteigen, wenn es ihm unbequem, unheimlich oder einfach zu viel wird.
  • Zeitpunkt und Dauer: Ein zeitlicher Rhythmus gibt den Kindern Orientierung und Sicherheit. D.h. das Angebot findet immer an bestimmten Wochentagen zu festgelegten Zeiten statt. Dabei sollen die Kinder möglichst nicht aus einer Beschäftigung herausgeholt werden. Die maximale Dauer von 30-40 min sollte Richtwert sein, da dies ansonsten die Grenzen der Konzentrationsfähigkeit der Kinder überschreiten würde.
  • Regeln und Rituale: Die Regeln müssen am Anfang besprochen werden und werden jeweils vor den Übungen wiederholt. Die hier genannten Regeln können je nach Charakter der Kinder und der Gruppe ergänzt werden. Die Teilnahme des Kindes ist jeweils freiwillig. Hat sich ein Kind zum Mitmachen entschieden, muss es aber bis zum Schluss dabei bleiben. Während der Entspannung, der Fantasie- und Klangreise darf nicht gesprochen werden. Andere Kinder stört das. Wer die Situation nicht aushalten kann, darf sich leise hinsetzen.
  • Körperhaltungen bei der Klangübung: Die Kinder sollten einen Kreis bilden. So sind alle gleich nah, aber dennoch für sich. Es empfiehlt sich das Liegen auf dem Rücken, Beine leicht geöffnet, Arme neben dem Körper. Alternativ können die Kinder auch angelehnt sitzen. Die Beine sind leicht gespreizt, Fußsohlen berühren den Boden, Unterarme auf den Oberschenkeln. Bei Klangmassagen, liegt ein Kind auf dem Rücken oder auf dem Bauch, das andere kniet daneben.

Klangschalengeschichte:

ooo = heller Ton
ooo = dunkler Ton

Klangschale, quo vadis

Frühling! Es ist Frühling.
Wir stehen auf der Wiese.
Ein kleiner Vogel zwitschert laut. ooo
Auf der Wiese hinter einem Zaun steht eine Kuh. ooo ooo
Sie schaut uns an und ißt dabei Gras. ooo
Die Kuh macht "Muuh". ooo
Sie dreht sich um, und trottet zum anderen Ende der Wiese.
Wir gehen Hand in Hand die Wiese entlang.
Zwei gelbe Schmetterlinge fliegen vor uns von Blume zu Blume. ooo ooo
Dann bleiben sie auf einem Gänseblümchen sitzen. Wir laufen weiter.
Wir kommen an einen See.ooo ooo
Eine Entenmutter und sieben Entenkinder kommen aus dem Wasser.ooo
Sie watscheln durch das Gras und picken immer wieder auf den Boden. Die Entenmama läuft wieder zum Wasser und ihre Kinder folgen ihr. Die Enten schwimmen auf dem Wasser davon. ooo
Wir gehen zusammen nach hause.



Beiträge, Bilder und Geschichten von Kindergruppen und Kitas




Inhaber: Harri Czesla, Stffelburgstrasse 11, 72770 Gnningen,
Fax: 07072 9282942, Telefon: 07072 9282940, Ust-ID-Nr.: DE 204 482 205

AGB     Impressum      Datenschutz